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Dnepr

Der Dnepr, der drei Länder durchfließt, ist mit seinen 2201 Kilometern der drittlängste Fluss Europas. Er passiert zahlreiche Ballungsräume, schafft mehrere Stauseen und sorgt durch Wasserkraftwerke dafür, dass weite Gebiete mit Strom versorgt werden können. Für die Ukraine ist der Fluss nicht nur ein nationales Symbol, er ist auch der wichtigste Wassertransportweg des Landes. Die Quelle des Dnepr liegt in den Waldaihöhen in Russland, von wo aus er in Richtung Norden und durch Belarus weiter fließt, bevor der Fluss nördlich von Kyiw in die Ukraine eintritt. 1095 Kilometer der Gesamtlänge des Flusses liegen in der Ukraine, wo er sich schließlich bei Cherson ins Schwarze Meer entleert.

Dnieper Cherkasy

Nahe der weißrussischen Grenze nimmt der Dnepr den Fluss Pripjat auf, der wiederum über den Dnepr-Bug-Kanal im westlichen Belarus Zugang zu einer schiffbaren Wasserstrasse nach Westeuropa herstellen würde, gäbe es nicht eine natürliche Barriere in Gestalt eines Wehrs bei Brest an der Grenze zu Polen. Der Weg des Flusses durch die Ukraine beginnt unweit der Unfallstelle von Tschernobyl in der Nähe der Stadt Slawutytsch. Diese Stadt, die heute eine Einwohnerzahl von etwa 24.000 hat, wurde 1986 neu erbaut als Heimat für die Menschen, die aus der von Nuklearunfall betroffenen Umgebung umgesiedelt werden mussten, ebenso wie für Wissenschaftler und die Leute, die mit den Aufräum- und Überwachungsarbeiten betraut waren. Für die Gründung und das städtische Budget von Slawutytsch bezahlte die Firma, der der Reaktor gehörte, doch als das Kraftwerk 2001 schließlich endgültig stillgelegt wurde, stand die Stadt vor einer ungewissen Zukunft und einer hohen Arbeitslosigkeitsrate. In dieser Gegend befinden sich zahllose kleine Inseln im Fluss.

Etwa 100 Kilometer weiter südlich erreicht der Dnepr das Gebiet von Kiew, wo er die Stadt in eine linke und eine rechte Flussseite unterteilt - eine Unterscheidung, die in Kiew gang und gäbe es, um Adressen zu bezeichnen. In der Nähe der Stadt wird durch einen Staudamm, der mit einer Länge von 41 Kilometern mal der längste der Welt war, ein Stausee gebildet, das umgangssprachlich als “Kiewer Meer” bezeichnet wird. Der Stausee wird zum Bootfahren und für andere Wasseraktivitäten genutzt. Nur ein wenig weiter den Fluss herunter, nahe der Kleinstadt Ukrajinka, wurde ein weiterer Stausee geschaffen. Der Kaniwer Stausee wurde 1978 angelegt, um ein Wasserkraftwerk zu betreiben und wird heute oft von Anglern genutzt. Er erstreckt sich über rund 160 Kilometer.

Kurz bevor Kaniw erreicht ist, passiert der Dnepr eine Stadt mit einem Namen, der für Ausländer fast unmöglich zu merken ist. Perejaslaw-Chmelnyzkyj ist eine uralte Stadt, in der die ukrainischen Kosaken 1654 mit dem Großfürstentum Moskau einen Friedensvertrag schlossen. Davor war hier im Jahr 992 eine Festungsanlage erbaut worden, mit der die Kiewer Rus gegen Angriffe geschützt werden sollte. Wegen der besonderen historischen Bedeutung hat die Stadt den Status eines historischen Schutzgebiet und kann mehr als 20 Museen vorweisen. Zudem kann man die ausgegrabenen Ruinen der Festungsanlagen besichtigen. In Kaniw ist die wichtigste Sehenswürdigkeit das Grabmal des ukrainischen Nationaldichters Taras Schewtschenko auf einer Anhöhe mit Blick auf den Fluss. Auf dem “Taras-Hügel” befindet sich auch ein dem Schriftsteller gewidmetes Museum. Weitere Sehenswürdigkeiten in der Stadt sind St. Georgs-Kathedrale, im Original 1144 erbaut und ein Naturschutzgebiet am Flussufer. Die nächste größere Stadt am Ufer des Dnepr ist die alte Kosakenstadt Tscherkassy, die heute etwa 285.000 Einwohner hat. Obwohl die Stadt mit Gründungsjahr 1286 eine lange und bedeutsame Geschichte hat, haben nur wenige Beispiele historischer Architektur den Lauf der Zeit überstanden. Tscherkassys wichtigste Sehenswürdigkeiten sind die Strände am Fluss, die im Sommer beliebte Ausflugsziele sind sowie das breite Kulturangebot, zu dem mehrere Theater und sogar eine eigene Philharmonie gehören. Bei Tscherkassy liegt auch die letzte Möglichkeit für etwa 150 Kilometer, den Fluss per Brücke zu überqueren. 

Kremenchuk ReservoirDie nächste Brücke ist dann eine bei Krementschuk, wo zudem im Jahr 1961 ein weiterer Staudamm errichtet wurde, der einen Stausee gleichen Namens schafft (Foto links). Krementschuk war früher eine wichtige Kosakenstadt und ist heute vor allem ein Ort mit großer wirtschaftlicher Bedeutung, in dem es eine LKW-Fabrik und eine wichtige Ölraffinerie gibt. Die Stadt erstreckt sich bis an die Grenzen des nächsten Ballungsraums rund um die Stadt Komsomolsk, die in den 1960ern errichtet wurde, um die Arbeiter des nahegelegenen Eisenerz-Bergwerks zu beherbergen. 

Die Schwerindustrie spielt auch eine wichtige Rolle für die Stadt Dniprodserschynsk, die etwa 240.000 und für die Stahl- und Chemieindustrie bedeutsam ist. Die Stadt hat aber auch einige Sehenswürdigkeiten, darunter die orthodoxe St.-Nikolaus-Kirche oder ein großes Prometheus-Denkmal. Hier gibt es auch eine weitere Straßenbrücke über den Dnepr, neu erbaut im Jahr 1996 und die einzige verfügbare Flussüberquerung, bis der Fluss etwa 40 Kilometer später Dnipropetrowsk erreicht. Dies ist eine der größten und bedeutendsten Städte der Ukraine mit einer Bevölkerungszahl von knapp über einer 1 Million. Sie erstreckt sich über beide Flussufer, wobei sich das Stadtzentrum auf der rechten Seite befindet, in einer rohstoffreichen Gegend, die als “Dnepr-Hochland” bezeichnet wird. Der Dnepr beschreibt hier einen großen Bogen, mit dem er seine Fließrichtung  von nordwestlich auf südwestlich ändert. Dnipropetrowsk ist eine Stadt mit einer langen und interessanten Geschichte, doch nach der Nazi-Besetzung und als “geschlossene Stadt” in der Sowjetzeit, in der Raketen und andere Militärgüter hergestellt wurden, ist sie heute in erster Linie ein Beispiel für die stalinistische Architektur und Stadtplanung mit wenigen verbleibenden Sehenswürdigkeiten, zu denen das Gorki-Theater oder die Verklärungskathedrale. Es ist in der Stadt interessant zu beobachten, wie sich die moderne Bauweise mit der Architektur aus der sowjetischen Vergangenheit zu einem ansprechenden Stadtbild zusammenfügt.

Etwa 80 Kilometer flußabwärts finden Besucher die nächste Großstadt mit Saporischschja und einer Einwohnerzahl von etwa 770.000. Der Dnepr teilt sich hier in zwei Arme, den “alten” und den “neuen” Dnepr mit einer Insel namens Chortyzja dazwischen, nach der sich die beiden Ströme wieder vereinen. Chortyzja hat historische Bedeutung als wichtiges Zentrum der Kosaken, doch die Insel ist auch erwähnenswert wegen ihrer einzigartigen und reichhaltigen Vielfalt in Flora und Fauna. Als Ort mit vielen geschichtlich relevanten Stätten und einem angesehenen Museum zu Geschichte und Kultur der Kosaken hat die Insel den Status eines nationalen historischen Schutzgebiets erhalten. Die nächsten Orte am Dnepr sind die Städte Marhanez, ein wichtiges Zentrum für Manganeisen-Bergbau, und Nikopol, eine bedeutende Hafenstadt und Knotenpunkt für den Wassertransport der in der Region produzierten Güter. Nikopol hat etwa 118.000 Einwohner und liegt, seit der Errichtung eines großen Staudamms 1955, am riesigen Kachowkaer Stausee, der wegen seiner Größe umgangssprachlich oft als “Meer” bezeichnet wird. In diesem Abschnitt des Flusses befinden sich einige Fischfarmen. Die mittelgroße Stadt Enerhodar auf dem linken Flussufer wurde 1970 gegründet und erfüllt den Zweck der Unterbringung von Europas größtem Kraftwerk, dem Wärmekraftwerk Saporischschja und seiner Angestellten. Der Damm, der den Kachowkaer Stausee entstehen lässt, liegt nahe Nowa Kachowka, eine Stadt mit 72.000 Einwohnern, die während einer Maßnahme aus der Stalin-Zeit namens “Großes Bauprojekt des Kommunismus” in den 1950ern erbaut wurde, das darauf zielte, die wirtschaftlichen Fähigkeiten der Sowjetunion zu demonstrieren. 

Die letzte Großstadt bevor der Dnepr das Schwarze Meer erreicht ist Cherson, eine 1778 gegründete Stadt mit 358.000 Einwohnern und bedeutender Schiffsbau-Industrie. Von hier aus legt der Fluss noch rund 30 Kilometer zurück, bevor er das Meer erreicht. Unter den Sehenswürdigkeiten von Cherson sind das zum Kunstmuseum umfunktionierte ehemalige Rathaus, die Kathedrale Sankt Katharina, in der sich das Grab von Potemkin befindet und der in Hyperboloid-Struktur erbaute Adschigol- Leuchtturm in der Flussmündung. 

 

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