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Klitschko-Brüder

In einer Zeit, in der nicht viele Ukrainer international positive Schlagzeilen machen, bilden die Brüder Vitali und Wladimir Klitschko bemerkenswerte Ausnahmen und sind zu so etwas wie Aushängeschildern für die neue Ukraine geworden. Beide haben über Jahre die Welt des Boxsports geprägt - es gab Zeiten, da sie alle wichtigen Weltmeisterschaftsgürtel in der Familie hatten - und beiden haben der Revolutionsbewegung von 2014 ihre Gesichter und ihren Bekanntheitsgrad verliehen und damit dazu beigetragen, dass sich ihr Heimatland nun auf dem Weg zur Modernisierung befindet.

Klitschko_brothers

Es erschient auf den ersten Blick überraschend, wenn man erfährt, dass keiner der beiden tatsächlich in der Ukraine geboren wurde. Der Grund dafür liegt im Beruf ihres Vaters: Vladimir Rodionovich Klitschko war Offizier in der sowjetischen Luftwaffe und wurde im Laufe seiner Karriere an verschiedene Einsatzorte entsandt. Während sein ältester Sohn Vitali wurde im heutigen Kirgisistan geboren und Wladimir auf dem Gebiet des heutigen Kasachstan. Doch es war ein Einsatz in seiner Heimat Ukraine, die den tiefsten Eindruck bei ihm hinterlassen sollte. Der Vater der berühmten Brüder war einer der Kräfte, die mit den Aufräumarbeiten nach der Katastrophe von Tschernobyl 1986 beauftragt wurden; ein Einsatz, der aller Wahrscheinlichkeit nach dazu führte, dass er wenige Jahre später ein Krebsleiden bekam. Klitschko Senior starb an der Krankheit im Jahr 2011.

Zu jener Zeit hatten beide Brüder gemeinsam erneut die Spitze ihres Sports erreicht. Vitali hatte seinen Ruhestand beendet und sich seinen Schwergewichtstitel wiedergeholt und ihn einige Male verteidigt. Der jüngere Bruder, Wladimir, hat seine Sportkarriere seitdem fortgesetzt und die Zeit seiner Weltmeisterschaft zur zweitlängsten aller Zeiten ausgebaut. Wladimir wurde 1976 geboren. Er verdiente sich seinen Spitznamen “Dr. Steelhammer” durch einen Doktortitel in Sportwissenschaften von der staatlichen Taras Shevchenko University in Kiew 2001. Bevor er dieses Doktorandenstudium aufnahm, hatte er 1996 seinen Universitätsabschluss seinen Abschluss am Pereyaslav-Khmelnitsky Institut gemacht, damals kurz bevor er die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen von Atlanta gewann. Diese Medaille versteigerte er 2012 in Kiew für einen Erlös von $1 Million, die er insgesamt an Hilfsprogramme für Kinder in der Ukraine spendete.

Nach Olympia wechselte Wladimir ins Profilager und in ein deutsches Boxteam, wofür er seinen Wohnsitz nach Hamburg verlegte. Er gewann seinen ersten bedeutenden Profi-Weltmeistertitel im Jahr 2000 und blieb, abgesehen von kleineren Rückschlägen, für die nächsten 15 Jahre an der Weltspitze des Boxens. Zwischen den Kämpfen übernahm Wladimir hin und wieder kleinere Rollen in Kinofilmen und erschien in Ocean’s Eleven und anderen Produktionen. Viel Zeit und Geld widmet er auch der wohltätigen Arbeit, hauptsächlich solcher mit dem Ziel der Verbesserung der Lebenssituation von Kindern. 2014 wurden Wladimir und seine Verlobte, die amerikanische Schauspielerin Hayden Panettiere selbst Eltern, als die Tochter Kaya geboren wurde. Von seinen fast 70 Profikämpfen fand nur einer in seinem Heimatland statt, in Kiew 1998. Im Gegensatz zu seinem älteren Bruder hat er sich größtenteils von politischen Themen ferngehalten, allerdings hatten auch er und Hayden Panettiere während der Proteste 2014 einen Auftritt auf dem Maidan und hielten eine Rede zur Unterstützung der Demonstranten und auch für die Orangene Revolution von 2004 hatte Wladimir seine Unterstützung zum Ausdruck gebracht.     

Vitali, geboren 1971, war für seinen Bruder in vielerlei Hinsicht ein Vorbild. Er war der erste in der Familie gewesen, der eine Sportkarriere begonnen hatte und hatte sich einen Namen im Kickboxen gemacht, bevor er zum Boxen wechselte. Im Gegensatz zu seinem Bruder verpasste er das Rampenlicht der Olympischen Spiele von 1996, denn er wurde aus dem Nationalteam ausgeschlossen, nachdem eine Dopingprobe Steroide in seinem Blut entdeckt hatte. Dennoch wechselte er im gleichen Jahr zum Profiboxen und brauchte dort drei Jahre, um seinen ersten Weltmeistertitel zu erringen. Vitali und sein Bruder waren inzwischen nach Deutschland umgesiedelt, wo sie ein kommerziell interessanteres Umfeld vorfanden und viele Fans gewinnen konnten. Später siedelten beide in die USA über, wo es noch mehr wirtschaftliche Gelegenheiten gab, trugen aber weiterhin viele Kämpfe in Europa aus. Ungefähr zu dieser Zeit begann Vitali damit, ein politisches Profil zu entwickeln und wurde zum erklärten Unterstützer von Präsidentschaftskandidat Yushchenko und der sogenannten Orangenen Revolution. Kurz darauf gab er seinen Rücktritt vom Profisport bekannt, kehrte aber 2007 zurück, als er sich seine Titel zurückholte und mehrfach verteidigte, bis er, im Alter von 41 Jahren, 2013 endgültig die Boxhandschuhe an den Nagel hing. 

Die politische Karriere des älteren Klitschko-Bruders begann 2005, als er vom neugewählten Präsidenten Yushchenko zum Berater berufen wurde. Zur gleichen Zeit begann er eine Kampagne, um Bürgermeister von Kiew zu werden. Er scheiterte jedoch in den Wahlen von 2006 - obwohl es ihm gelang, mehr Stimmen zu gewinnen als der Amtsinhaber -, übernahm aber einen Platz im Stadtrat. Im Laufe seines politischen Engagements hat sich Vitali immer für eine gründliche Reform des ukrainischen Staats ausgesprochen und trat gegen Korruption, gegen den übergroßen Einfluss der Oligarchen und für eine Orientierung an westlichen Werten ausgesprochen. Indem er diese Sichtweise vertrat, gewann er die Unterstützung namhafter politischer Kräfte aus dem Ausland, etwa der CDU in Deutschland. In den Kommunalwahlen von 2008 wurde Klitschko wieder in den Stadtrat gewählt und 2010 gründete er die neue Partei UDAR, die ein pro-westliches Parteiprogramm hat und die Idee des Beitritts der Ukraine in westliche Gemeinschaften wie EU oder NATO unterstützt. Mit der Betonung dieser Ideen war die Partei in den Parlamentswahlen von 2012 erfolgreich.

Als Fraktionsführer der UDAR im Parlament wurde Klitschko, der seit 1996 mit dem ehemaligen Model Natalia Egorowa verheiratet ist und drei Kinder hat, zum erklärten Kritiker von Präsident Janukowitsch, den er einen Lügner und Manipulator nannte. Noch bevor die Maidan-Proteste begannen, trat er entschieden für eine Verbesserung der Lebensbedingungen für die Ukrainer ein und positionierte sich als einer der Anführer der Revolution. Während er anschließend zunächst eine Kandidatur für das Präsidentenamt anstrebte, zog Klitschko sich später aus dem Rennen zurück und unterstützte stattdessen Petro Poroschenko. Obwohl er seinen Sitz als Abgeordneter aufgab, um 2014 nach einem Wahlsieg mit 57% der Stimmen die Rolle des Bürgermeisters von Kiew zu übernehmen, gilt Klitschko noch immer eine der treibenden Kräfte hinter der ukrainischen Reformpolitik hinter Präsident Poroschenko.

 

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