Home

Zurück zu:
Ukraine entdecken

 

Taras Schewtschenko

Es gibt keinen anderen ukrainischen Autor und Künstler, der als so bedeutsam und einflussreich angesehen wird wie Taras Schewtschenko. Er schuf nicht nur ein literarisches Gesamtwerk, das bis zum heutigen Tag Standardlektüre für ukrainische Schüler und Studenten ist, sondern ihm wird auch zugeschrieben, der Begründer der modernen ukrainischen Sprache zu sein. Einige seiner Werke schrieb er auch auf Russisch, daher wird er oft auch als bedeutender Vertreter der russischen Literatur angesehen.

Neben seiner Arbeit als Autor, Dichter und Maler, machte sich Schewtschenko auch einen Namen in der politischen Bewegung gegen den Zaren, die darauf zielte, die Lebensbedingungen der Menschen im Zarenreich zu verbessern.

Taras Schewtschenko ist im ukrainischen Leben nach wie vor präsent dank zahlreicher ihm gewidmeter Denkmäler überall im Land und sogar im Ausland, dank Straßen und der Staatlichen Universität in Kiew, die nach ihm benannt wurden und dank seines Bildes auf dem 100 Hryvnia-Schein.

Taras Shevchenko

Schewtschenko wurde am 9. März 1814 als drittes Kind einer Familie in Leibeigenschaft im kleinen Ort Morynzi in der Nähe von Tscherkassy im Zentrum der Ukraine geboren, damals ein Teil des Russischen Kaiserreichs. Seine Vorfahren gehörten zur Minderheit der Kosaken und hatten zum Teil brutale Unterdrückung erlebt; eine Familienhistorie, die Taras und seinen Geschwistern von klein auf beigebracht wurde. Als er acht Jahre alt war - die Familie war inzwischen in das nahegelegene Dorf Kerelivka umgezogen und drei weitere Kinder waren geboren worden - erhielt Taras eine erste Schulbildung durch den Besuch von Grammatikunterricht, den die Kirche anbot. In diesem Umfeld lernte er lesen und schreiben und lernte die Werke von Gregory Skorovda kennen, einem ukrainischen Schriftsteller und Philosophen des 18. Jahrhunderts, der ebenfalls aus einer Kosakenfamilie stammte und einer der ersten literarischen Inspirationen für Schewtschenko werden sollte.

Diese Bekanntschaften ermöglichten es Schewtschenko letztendlich, der Leibeigenschaft zu entkommen, denn Bryullov und andere Künstler sammelten genug Geld, um seine Freiheit zu kaufen. Taras nutzte diese Freiheit umgehend, um sich als Student an der St. Petersburg Academy of Arts einzuschreiben, unter der Führung von Bryullov. Während seiner dortigen Studien perfektionierte er nicht nur seine Kunst und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet, sondern er begann auch zu schreiben und veröffentlichte eine Gedichtsammlung (“Kobzar”, 1840) sowie Theaterstücke und ein Drama. Bald wurde deutlich, dass die nationale Identität der Ukraine zu einem seiner Leitmotive geworden war. Schewtschenko reiste in diesen Jahren wiederholt in die Ukraine und traf sich dort mit Schriftstellern und Künstlern. Von seinen Geschwistern, die noch immer in Leibeigenschaft lebten, erfuhr er von der Unterdrückung der Menschen durch den Zaren. Alle diese Einflüsse zusammen machten die Ukraine, ihre Menschen und Landschaften zu Schewtschenkos vorrangigem Thema. “Mit Leib und Seele bin ich der Sohn und Bruder unserer unglücklichen Nation”, schrieb er einmal.

Schewtschenko erreichte seinen Abschluss von der Akademie im Jahr 1845 und zog unmittelbar danach nach Kiew. Seine Werke bekamen jetzt eine zunehmend politische Tonalität. Anfang 1846 schloss er sich der geheimen Kyrylo-Methodius-Gesellschaft an, einer Bruderschaft, die darauf zielte, eine pan-slawische Föderation zu schaffen, ein liberaleres politisches System und auf eine Beendigung der zunehmend schlechten Lebensbedingungen, unter denen die Menschen leben mussten. Diese revolutionären Ideen jedoch führten 1847 zur Verhaftung aller Mitglieder der Gemeinschaft inklusive Schewtschenko. Er wurde in  St. Petersburg inhaftiert, doch wurde bald darauf einer Armee-Einheit in den Bergen des Ural zugeordnet. Der Zar selbst ordnete an, nachdem er Schewtschenkos satirische Werke gelesen hatte, dass der Autor in seiner Zeit im Militär weder zeichnen noch malen oder schreiben durfte, was dieser aber dennoch tat In seiner Militärzeit schuf Schewtschenko zahlreiche Zeichnungen und Gemälde. Er erhielt die Anordnung, an Expeditionen zur Erkundung des Aralsees in 1848 und 1849 teilzunehmen. Ein Jahr später wurde er in eine Festung in Kasachstan transferiert, die heute nach ihm benannt ist.

Im Jahr 1857 wurde Taras Shevchenko schließlich begnadigt und bekam die Erlaubnis, die Festung zu verlassen. Entgegen seiner Wünsche durfte er jedoch nicht nach St. Petersburg zurückkehren, sondern erhielt die Anweisung, nach Nizhnyi Novgorod umzusiedeln, wo er fast zwei Jahre blieb, bevor er 1859 die Erlaubnis erhielt, in die Ukraine zurückzukehren. Dort beabsichtigte er, ein Stück Land zu kaufen und ein Haus zu bauen, doch schon bald nach seiner Ankunft wurde er erneut verhaftet, diesmal wegen Blasphemie, und erhielt die Order, zurück nach St. Petersburg zu gehen. Trotz all der Hindernisse, denen sich Schewtschenko in jenen Jahren gegenüber sah, waren diese die produktivsten seiner Karriere. Er fertigte eine Vielzahl von Gemälden, viele davon beschäftigten sich mit dem Kampf der Landbevölkerung für ein selbstbestimmtes Leben. Die harten Jahre in Gefangenschaft und im Militär hatten jedoch ihre Spuren in Schewtschenkos Gesundheit hinterlassen und als er im März 1861 krank wurde, überlebte er es nicht. Taras Schewtschenko starb einen Tage nach seinem 47. Geburtstag und wurde zunächst auf einem Friedhof in St. Petersburg begraben. Einige Tage nach der Beerdigung jedoch kümmerten sich einige seiner Freunde darum, dass sein letzter Wille, in der Ukraine begraben zu werden, erfüllt wurde. Schewtschenkos Leichnam wurde von einer Pferdekutsche in die Ukraine gebracht und am 8. Mai erneut bestattet. Seine letzte Ruhestätte liegt in Kaniv in der Provinz Tscherkassy, auf einem Hügel mit Blick auf den Fluss Dnepr. Dort befindet sich auch ein ihm und seinem Werk gewidmetes Museum.     

 

fb

tw

 

 

Legal