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Ukrainische Sprache

Ukrainisch  ist die offizielle Staatssprache der Ukraine, doch tatsächlich nutzen die Menschen im land sowohl Russisch als auch Ukrainisch als ihre Hauptsprachen, oft werden sie in Gesprächen sogar miteinander vermischt. Ukrainisch ist eine von 12 slawischen Sprachen in der indogermanischen Sprachfamilie und ist unter diesen die am zweithäufigsten gesprochene. Insgesamt geben 57 Millionen Menschen Ukrainisch als ihre Muttersprache an. In der Schriftform nutzt die Sprache das kyrillische Alphabet.

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Das offizielle Regulierungsgremium für die ukrainische Sprache ist die Staatliche Akademie der Wissenschaften, die dem Kabinett der Minister untersteht. Ukrainisch ist am engsten verwandt mit Belarussisch und Polnisch, hat aber auch Ähnlichkeiten mit Russisch und Serbokroatisch. Innerhalb der Ukraine wird im Allgemeinen zwischen drei hauptsächlichen Dialekten unterschieden, die aber für Nicht-Muttersprachler verhältnismäßig schwierig auseinander zu halten sind.

Zusammen mit Russisch und Belarussisch entwickelte sich Ukrainisch aus der ostslawischen Sprache durch die Vermischung mehrere lokaler Dialekte, allerdings streiten Wissenschaftler darüber, ab welchem Zeitpunkt sich diese Sprachen als unabhängige entwickelten. Im Mittelalter entwickelten sich zwei separate Zweige, als der südwestliche Teil der Ukraine unter die Herrschaft des Großfürstentums Litauen kam, während die östlichen Landesteile von den Tataren beherrscht wurden. In dieser Zeit, die bis ins 16. Jahrhundert reichte, wurde die westliche Hälfte der Ukraine vor allem durch Polnisch und, in geringerem Maße, durch die lateinische Sprache beeinflusst, während im Osten Worte aus den Turksprachen einbezogen wurden. In den folgenden Jahren nahm POlnisch eine zunehmend bedeutungsvolle Rolle ein und und beeinflusste die Entwicklung der ukrainischen Sprache weiter. Die fremdsprachigen Einflüsse wurden nach dem Vertrag von Perejaslaw von 1654 sogar noch stärker, als die Ukraine mehr oder weniger in einen russischen und polnischen Einflussbereich aufgeteilt wurde, was zu einem Niedergang der eigenen ukrainischen Kultur und Traditionen führte. Diesem folgte eine Periode, in der die russischen Herrscher fürchteten, dass eine starke ukrainischen Identifikation mit der eigenen nationalen Kultur die Einheit des Zarenreichs belasten könnte. Sie reagierten auf diese Sorge in ihrem Einflussgebiet im Osten des Landes mit einer Unterdrückung ukrainischer Traditionen, verbannten 1804 die ukrainische Sprache aus den Schulen und schlossen die traditionsreiche Kyiv-Mohyla Akademie, damals die älteste Universität in Osteuropa. 1847 wurde der führende ukrainische Autor Taras Schewtschenko verhaftet und erhielt ein Berufsverbot. Später wurden sogar Bücher in ukrainischer Sprache verboten. Statistiken aus dieser Zeit zeigen, dass die russische Unterdrückung bis zu einem gewissen Grad erfolgreich war - der Anteil der ukrainisch-sprachigen Bevölkerung nahm spürbar ab - dennoch gab es weiterhin weite Teile der Gesellschaft im Osten, die hauptsächlich, vor allem in ländlichen Gegenden. In den westlichen Regionen, wo Polnisch die bevorzugte Sprache war, war der Gebrauch des Ukrainischen noch immer weit verbreitet.  languagemap  

Nach einem kurzen Abschnitt in den 1920ern, als den Nationen unter dem Dach der Sowjetunion die Rückgewinnung ihrer nationalen Identitäten bis zu einem gewissen Grad zugestanden worden war, folgten in der Sowjetzeit weitere Repressionen. Stalin ordnete eine strikte Russifizierung der gesamten Sowjetunion an und erließ 1933, dass alle Publikationen und Schulen umgehend von Ukrainisch auf Russisch umzustellen seien. Auch diese Erlasse waren zu einem großen Teil auf Sorge vor dem Entstehen von Dissens und Aufständen zurückzuführen. Sie wurden begleitet von der Hinrichtung von Intellektuellen unter dem Vorwand des angeblich ausufernden ukrainischen Nationalismus, den Stalin zerschlagen wollte, was letztlich im Holodomor gipfelte und im langfristigen, zerstörerischen Bemühen, jegliche Entwicklung einer nationalen ukrainischen Identität zu unterlaufen und auszulöschen. Chruschtschows Regierungszeit nach dem Tod Stalins 1953 brachte Entspannung in der Frage der Sprachen und eine Wiederbelebung der ukrainischen Kultur als Ganzes, doch die Zeit der Unterdrückung hatte ihre Spuren auf der Entwicklung der ukrainischen Sprache hinterlassen. In den Gebieten, in denen Moskaus Einfluss über die Jahrzehnte am stärksten gewesen war, im Osten der Ukraine, blieb Russisch bis heute die am meisten genutzte Sprache, obwohl es nach der Unabhängigkeit des Landes eine Reihe von Initiativen im ganzen Land gab, um die Nutzung des Ukrainischen auszuweiten, etwa durch Wiedereinführung von Ukrainisch als Hauptsprache an den Schulen. Allerdings gab es nie Probleme für die Einwohner, die auf Russisch oder in beiden Sprachen kommunizierten und viele russisch sprechende Einwohner bezeichnen sich selbst als Ukrainer. Die russische Behauptung nach der Revolution 2014, dass die russische Sprache und die russisch sprechende Bevölkerung von der Zentralregierung unterdrückt werden würde, kann sehr leicht widerlegt werden. Die obige Grafik zeigt die Verteilung der Muttersprachen im Land im Jahr 2001 (Daten stammen aus der Volkszählung, Grafik von cnn.com).

Heute sagen zwischen 50% und 65% der Einwohner des Landes, dass Ukrainisch ihre Muttersprache ist, wobei die genaue Zahl von Umfrage zu Umfrage variiert. In einigen Städten, zum Beispiel in Kiew, Dnipropetrowsk, Odessa oder Donezk ist Russisch die gebräuchlichere Sprache. In einigen Regionen des Landes sind zusätzliche Sprachen wie Rumänisch, Ungarisch, Belarussisch oder die Krimtatarische Sprache bedeutsam. In der Literatur, der Musik, im Theater und bei Filmen ist eine Veränderung hin zu einer verbreiteteren Nutzung des Ukrainischen erkennbar. Ukrainisch ist in einigen benachbarten Ländern als Minderheitensprache anerkannt, etwa in Polen, Moldawien und Rumänien sowie in der Europäischen Union. Darüber hinaus gibt es nennenswerte Gemeinschaften von Exilukrainern unter anderem in Ländern wie Kanada, Brasilien, Russland oder Deutschland, die zum Teil ebenfalls untereinander Ukrainisch sprechen.

Ukrainisch nutzt ein eigenes Alphabet, eine Variante des kyrillischen Alphabets, das aus 33 Buchstaben besteht, von denen 20 Konsonanten sind, zehn Vokale und zwei Halbvokale. Daneben nutzt die Sprache das Apostroph als Weichheitszeichen. Da es nie ein universell akzeptiertes Alphabet in lateinischen Buchstaben für die ukrainische Sprache gegeben hat, können die verschiedenen verwendeten Versionen der Transkriptionen mitunter Konfusion hervorrufen. Das gilt insbesondere für die Bezeichnungen ukrainischer Ortsnamen, die noch bis 1991 hauptsächlich aus der russischen statt aus der ukrainischen Sprache übertragen wurden.

 

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